Mehrfarbendruck / Sonderfarben / Weißdruck

Veredelungsfarbe Weiß

Auch Weiß lässt sich als Veredelungsfarbe nutzen. Dabei handelt es sich allerdings weniger um eine Veredelung im herkömmlichen Sinn als vielmehr um die Option, durch ungewöhnliche Bedruckstoffe wie transparente Papiere oder metallische Materialien Veredelungseffekte zu erzielen. Sie kann zum einen als Flächenfarbe verwendet werden, um den Untergrund etwa bei einem farbigen Karton vorzubereiten (Papierweißsimulation), auf dem sich ansonsten kein hochwertiger Farbdruck erzeugen lassen könnte. Mit dem Deckweiß erscheinen die Farben natürlicher und treten leuchtender hervor. Zum anderen kann man die weiße Farbe als grafisches Element verwenden, um beispielsweise auf Goldfolien weiße Ornamente oder Muster zu drucken. Insofern wirkt das Weiß in der Verbindung mit ungewöhnlichen Bedruckstoffen, die in den üblichen Druckerzeugnissen ansonsten nicht verwendet würden. Mit HP ElectroInk White können auch feinste durchgefärbte Papiere bedruckt werden. Auch hier kommt dann wieder Haptik ins Spiel, da spezielle Bedruckstoffe oft auch spezielle Oberflächenstrukturen aufweisen.
Weiß lässt sich aber auch als Grundierung für andere Farben verwenden, um deren Leuchtkraft zu erhöhen. Auf metallenem Untergrund beispielsweise sind Farben trüber, weisen dafür aber einen metallischen Glanz auf, der sonst nur mit Schmuckfarben zu erreichen ist. Hier gilt es abzuwägen, ob die Leuchtkraft der Farbe mit Weiß verbessert wird oder zugunsten des Metalliceffekts auf die Grundierung verzichtet wird. Mit einer entsprechenden Rasterung der weißen Grundierung können darüber hinaus weitere ungewöhnliche Effekte erzeugt werden. Die Metalloberfläche schimmert dann an bestimmten Stellen gezielt durch und die Farbe verliert ein wenig an Intensität.

HP Indigo - ElectroInk White

Das Besondere an den HP Indigo-Systemen sind die möglichen sieben Farbenstationen. Neben den vier Skalenfarben kann mit dem Siebenfarbendruck (7C) der Farbraum erweitert werden. Im Gegensatz zum Offsetdruck kann auf diese Weise auch Weiß als Druckfarbe verwendet werden. Sinn des Ganzen ist die Nutzung von Weiß als Trennschicht für den mehrfachen Farbauftrag bei einseitig oder beidseitig bedruckten Folien, eigentlich eine Domäne des Siebdrucks.
Um die unterschiedlichen Intensitäten des Weiß zu definieren, besteht die Möglichkeit das Weiß mehrmals zu überdrucken.

Sonderfarben / Spezialfarben

Im digitalen Sechs- oder Siebenfarbendruck werden oft auch Sonderfarben verwendet. Hier wird teilweise mit angezischten Farben oder mit reinen Tonern gearbeitet.

HP Indigo - Sonderfarben

Mit einer von Pantone lizenzierten IndiChrome-Farbmischstation können Sonderfarben unter Verwendung von CMYK sowie Orange, Violett, Grün, Reflexblau, Rhodaminrot, Hellgelb und Transparent erzeugt werden. Der gewünschte Farbton wird dann wie eine Volltonfarbe über eines der zusätzlichen Farbwerke ausgegeben. Im fünften bis siebten Farbwerk der Indigo-Systeme können so zum Beispiel Firmenfarben ausgegeben werden. Da insgesamt sieben Farbwerke vorhanden sind, können maximal drei Pantonefarben in einem Durchgang gedruckt werden.
Eine Alternative ist die Simulation von Pantonefarben über den erweiterten Farbraum mit der IndiChrome-Technologie. Dazu werden die 4C-Prozessfarben durch Orange und Violett oder Orange, Violett und Grün ergänzt, die bekanntlich mit CMYK nicht erzeugt werden können. Laut HP kann man 97% des Pantonefarbraums abdecken, wenn man die Daten mit Pantone-Volltonfarben an die Indigo-Maschinen schickt. Der Controller nimmt automatisch die Separation in die Prozessfarben vor. Zwar sind die Ergebnisse nicht immer mit der gleichen Intensität der originalen Pantonefarben verbunden, doch in der Regel erheblich besser als beim Vierfarbdruck.

Kodak Net Press - Pantone PMS und Pantone Goe

Der standardmäßige Farbraum von Kodak NexPress Digitalen Produktionsfarbdruckmaschinen ist bereits um 20 % größer als beim üblichen vierfarbigen Offsetdruck. Der Farbraum wird um rote, grüne oder blaue Dry Ink ergänzt und somit um 16 bis 22 % erweitert.

OCE - Monolayer-Tonertechnologie

OCE CPS900 - 7-Farben-System (Quelle: Océ)
OCE CPS900 - 7-Farben-System (Quelle: Océ)
Océ brachte mit der CPS 800 ein System auf den Markt, das ebenfalls mit sieben Prozessfarben druckt. Allerdings stand bei der Entwicklung der Direct Imaging Technologie nicht die Erweiterung des Farbraums im Fokus, sondern die Erzeugung eines Monolayers. Trotzdem kommen neben den Prozessfarben CMYK die Mischfarben Rot, Grün und Blau zum Einsatz, sodass auch die Océ CPS800 einen sehr großen Farbraum abbilden kann.
Die Monolayer-Tonertechnologie sorgt dafür, dass im Vergleich zu andern Trockentonern eine sehr dünne Farbschicht ohne Farbverschiebungen auf den Bedruckstoff übertragen wird und so in einer dem Offset vergleichbaren Qualität produziert werden kann. Darüber hinaus ergeben sich Vorteile in der Weiterverarbeitung, da der Toner beim Falzen nicht so schnell aufbricht.
Die Direct Imaging Technologie ermöglicht die Bebilderung ohne Licht. Für jede der sieben Prozessfarben wird ein Tonerbild erzeugt. Die Direct Imaging Trommel mit über 7000 feinsten Spuren wird über die Elektronik direkt angesteuert. Dadurch ist die Übertragung einer genau definierten Tonermenge je Farbe möglich. Die Tonerpartikel werden nicht übereinander, sondern exakt nebeneinander auf einem Transferzylinder aus Gummi positioniert und anschließend als dünne Tonerschicht auf den Bedruckstoff übertragen. Fixiert wird mit Druck und einer relativ geringen und papierschonenden Wärmeeinwirkung von etwa 130° C. Diese als CopyPress bezeichnete Verfahrensweise ist dem Offsetverfahren sehr ähnlich und erlaubt die Verwendung sehr vielfältiger Bedruckstoffe. Durch das Pressen kann Farbe nämlich auch in Vertiefungen gelangen, so dass auch sehr stark strukturierte oder geprägte Papiere bedruckt werden können, die sich ansonsten im Digitaldruck nicht verwenden lassen. Es kann jedoch vorkommen, dass die Farbe an den Übergängen der Struktur nur schlecht haftet.